Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

Fokale Therapie des Prostatakarzinoms

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Warum fokale Therapie?

Das Prostatakarzinom kann sehr unterschiedlich verlaufen. Es gibt auf der einen Seite Tumore mit aggressivem Verhalten, bei denen durch eine radikale Therapie (operative Entfernung oder Bestrahlung der gesamten Prostata) ein Überlebensvorteil klar bewiesen ist. Trotz der wirksamen Krebsbekämpfung durch eine radikale Therapie kann eine solche Behandlung mit Nebenwirkungen verbunden sein. Dies betrifft in erster Linie Einschränkungen von Kontinenz und Potenz.     Artikel in Krebs-Nachrichten.de

Auf der anderen Seite werden durch Vorsorge in vielen Fällen Tumore entdeckt, die weniger aggressiv sind und nur langsam voranschreiten. Bei Patienten mit solchen Tumoren besteht bei einer radikalen Therapie die berechtigte Angst vor Übertherapie und den mögliche Folgen (Inkontinenz und Impotenz).

Um eine Übertherapie zu vermeiden, wird Patienten mit einem kleinen, wenig aggressiven Tumor oft geraten, zunächst keine radikale Therapie, sondern eine aktive Überwachung (Active Surveillance) durchführen zu lassen. Durch regelmäßige PSA-Kontrollen und Nachbiopsien der Prostata soll der Zeitpunkt erfasst werden, an dem der Tumor möglicherweise aggressiver wird und einer radikalen Therapie bedarf. Dadurch sollen mögliche Nebenwirkungen einer radikalen Therapie vermieden oder zumindest hinausgezögert werden.

Für viele Patienten bedeutet das Nichtstun bei Prostatakrebs jedoch eine psychische Belastung, so dass sich viele dennoch für eine radikale Therapie entscheiden.

Mit der fokalen Therapie soll die Lücke zwischen Übertherapie und Active Surveillance geschlossen werden.

Was ist fokale Therapie?

Prostata Plus Symbol

Unter Fokaler Therapie beim Prostatakarzinom versteht man eine Teilbehandlung der Prostata. Bei dieser innovativen Behandlungsmethode sollen nur die Tumor-tragenden Anteile und nicht die gesamte Prostata behandelt werden. Hierdurch erwartet man ein geringes Ausmaß an Nebenwirkungen. Der Therapieansatz ist vergleichbar mit dem Umdenken bei Brust- und Nierenkrebs, wo heutzutage in vielen Fällen eine Tumorentfernung mit Organ-Erhalt durchführbar ist.

Mit einer Reihe von wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass eine solche Teilbehandlung auch bei Prostatakrebs bei mittlerer Nachbeobachtungszeit eine gute Krebskontrolle bei gleichzeitig geringer Rate an Nebenwirkungen bietet.

Für die erfolgreiche Durchführung einer fokalen Therapie ist neben einer fortschrittlichen Bildgebung (insb. MRT) des Tumors eine innovative Technologie zur Behandlung notwendig. Hierzu gehört Focal One®.

Was ist Focal One®?

Focal One® ist ein High Tech-Gerät und die modernste Weiterentwicklung des Hochintensiven fokussierten Ultraschalls (HIFU). Mit Vorgängermodellen wurden in den letzten 20 Jahren weltweit über 30000 Behandlungen von Prostatakrebs (meistens der kompletten Prostata) durchgeführt. HIFU ist eine minimal-invasive Technologie, die eine gezielte lokale Behandlung von Prostatagewebe bei kurzem Krankenhausaufenthalt ermöglicht.

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Focal One-Bildschirme und Sonde Plus Symbol

Eine Besonderheit des Focal One® besteht darin, dass Befunde der Magnetresonanztomographie (MRT) genutzt werden können, um Tumorareale möglichst genau zu lokalisieren. Deshalb wird einige Tage vor der Focal One®-Behandlung eine MRT-Aufnahme der Prostata vorgenommen. Vom Radiologen werden sowohl die Umrisse der Prostata als auch der Tumorareale eingezeichnet. Diese Bilder werden vor der Behandlung in das Computersystem des Focal One® eingespielt.

Die Behandlungssonde des Focal One® enthält eine leistungsstarke Ultraschallsonde (7,5 MHz), mit der vor der Behandlung eine Echtzeit-Aufnahme der Prostata erstellt wird. Focal One® kann anschließend das Echtzeit-Ultraschallbild und die MRT-Bilder übereinander legen („elastische Fusion"). Hierdurch werden die im MRT-Bild gekennzeichneten Tumorareale auch im Ultraschallbild sichtbar. Auf Grundlage dieser Bilder nimmt der Arzt dann die Behandlungsplanung am Computer vor.

Die Behandlungssonde des Focal One® erzeugt hoch intensive, fokussierte Ultraschallwellen (HIFU), deren acht Fokuspunkten jeweils eine Länge von 5mm haben. Hierdurch wird im Vergleich zu den Vorgängermodellen eine wesentlich präzisere Therapieplanung möglich. Dadurch kann das Behandlungsareal millimetergenau an die Größe des Tumors angepasst werden.

Der Behandlungsablauf:

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Die Behandlung wird entweder in Rückenmarksnarkose (Spinalanästhesie) oder alternativ unter Vollnarkose vorgenommen. Die Behandlung mit Focal One® dauert je nach Größe des zu behandelnden Bereichs zwischen 30min und 2 Stunden.

Zur Behandlung wird der Patient in Rechtsseitenlage auf einem Operationstisch gelagert. Die Sonde, die sowohl den Ultraschall zur Bildgebung (7,5 MHz), als auch zur Behandlung enthält (3 MHz), wird in den Enddarm eingeführt. Nach abgeschlossener Therapieplanung durch den Arzt setzt das Focal One® die Vorgaben robotisch um. Durch die gebündelten Ultraschallwellen kommt es durch Hitze (85-90 °C) zur Zerstörung des Tumorgewebes (Läsionen). Durch automatische Aneinanderreihung von Läsionen wird nach und nach das Tumorgewebe im Planungsgebiet zerstört.

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Direkt nach Abschluss der Behandlung kann eine erste Kontrolle des Therapieerfolges vorgenommen werden: Nach Gabe eines Ultraschall-Kontrastmittels kann ein Echtzeit-Ultraschallbild der Prostata erstellt werden. In diesem kann der Arzt erkennen, welche Teile der Prostata behandelt worden sind.

Der Patient kann das Krankenhaus meist nach 3 Tagen verlassen. Die Kosten einer HIFU-Behandlung tragen in aller Regel sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen.

Diagnostik und Vorbereitung:


Da es sich um einen relativ neuen Therapieansatz handelt, soll eine fokale Therapie in Studien durchgeführt werden.

Zur sicheren Planung einer fokalen Therapie wird eine erweiterte Diagnostik durchgeführt. Das Prostatakarzinom kann in vielen Fällen an mehreren Stellen innerhalb der Prostata auftreten (multifokal). Es ist erwiesen, dass eine Prostatastanzbiopsie alleine mit Entnahme von 10 bis 12 Proben nach festem Schema nicht ausreicht, um den Tumor sicher zu lokalisieren. Die Tumorausdehnung kann aber mittels Kernspin der Prostata (multiparametrisches MRT) genauer eingegrenzt werden. Hierzu besteht eine enge Kooperation mit der Abteilung für Radiologie des Universitätsklinikum Leipzig. Durch MRT/Ultraschallfusion kann von auffälligen Bereichen in lokaler Betäubung eine gezielte Probenentnahme durchführt werden (Koelis System). Nach Vorliegen aller Befunde kann mit dem Patient besprochen werden, ob Eignung für eine fokale Therapie besteht.


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Für wen ist fokale Therapie geeignet?

Bisher existieren keine einheitlichen Empfehlungen, welche Kriterien zur Eignung für eine fokale Therapie erfüllt sein müssen. Sie eignet sich vor allem für Patienten mit einer Lebenserwartung von >10 Jahren, bei denen das Karzinom auf die Prostata begrenzt ist (Stadien T1-T2) und noch keine Metastasen vorliegen. Je nach Studienprotokoll, darf der PSA-Wert nicht höher als 10 bzw. 15 ng/ml liegen. Es sollte nur eine begrenzte Anzahl der entnommenen Stanzzylinder der Prostata befallen sein, bei denen der Gleasonscore nicht höher als 3+4=7 liegt (sog. low risk und intermediate risk Prostatakarzinom). Im Rahmen der Therapieplanung werden weitere Kriterien abgefragt und geprüft, die für einen erfolgreichen Einschluss in eine Studie erfüllt sein müssen.

Die Zeit danach

Um das Behandlungsergebnis nach einer fokalen Therapie einschätzen zu können finden regelmäßige Nachuntersuchungen statt. Zur sicheren Beurteilung der Tumorkontrolle ist neben regelmäßigen Kontrollen des PSA-Wertes und Abtastungen der Prostata eine erneute MRT-Untersuchung der Prostata nach ca. einem Jahr vorgesehen. Um nachzuweisen, dass die behandelten Areale frei von Tumorgewebe sind und in den anderen Bereichen kein Tumor entstanden ist wird zu etwa gleicher Zeit eine erneute Prostatastanzbiopsie durchgeführt. Das Koelis System bietet eine 3D Aufzeichnung, aus welchen Stellen der Prostata die befallenen Stanzzylinder entnommen wurden. 

Die Lebensqualität sowie Art und Ausmaß möglicher Nebenwirkungen werden mit standardisierten Fragebögen erfasst.


 
Kontakt bei Rückfragen:

Dr. med. Toni Franz
Facharzt für Urologie
Klinik und Poliklinik für Urologie
Universitätsklinikum Leipzig, AöR

Liebigstraße 20
D-04103 Leipzig
Tel.: +49 (0)341 97 17608
Fax +49-(0)341-97 17609
Mail: Toni.Franz@medizin.uni-leipzig.de

 
Letzte Änderung: 22.08.2017, 16:07 Uhr | Redakteur: PD Dr. med. Roman Ganzer
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