Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

Inkontinenz des Mannes - der künstliche Blasenschließmuskel

Die Inkontinenz des Mannes tritt meist nur als Folge einer operativen Behandlung auf, wobei an erster Stelle die radikale Prostataentfernung (Prostatektomie bei Krebserkrankungen) zu nennen ist. Eher selten tritt eine Inkontinenz nach einer TUR-Prostata auf (Transurethrale Resektion von vergrößertem Prostatagewebe).
Seltener sind andere Erkrankungen dafür verantwortlich.

Seit vielen Jahren hat sich dabei die Implantation eines künstlichen Schließmuskels bewärt. Dazu stehen zzt. zwei verschiedene Systeme an unserer Klinik zur Verfügung: das AMS800 und die Zephyr-Sphinkterprothese.

ams800

Wie funktionieren die Systeme?
Ein künstlicher Schließmuskel besteht immer aus einem Cuff (Verschlussmanschette), einer Pumpe und einem Reservoir, wo die Flüssigkeit gepseichert wird. Alle Komponenten sind relativ klein und werden vollständig implantiert - es schaut somit nichts aus dem Körper. Das AMS800 und die Zephyr-Sphinkterprothese haben ihre kleinen Besonderheiten hinsichtlich der Bedienung. Gemeinsam ist jedoch, dass stets die kleine Manschette um die Harnröhre gelegt wird und somit einen Blasenverschluss erzeugt. Bei einem Toilettengang wird durch den Patienten aktiv auf die implantierte Pumpe gedrückt, womit sich die Manschette öffnet und man Wasserlassen kann.
Nachdem die Blase leer ist schließt sich das System alleine wieder.

Zephyr-ZSI375

Werde ich wieder komplett kontinent?
Die meisten Patienten sind mit einem künstlichen Schließmuskel sehr zufrieden. Die Lebensqualität steigt enorm an, viele Patienten nehmen nach der OP erst wieder am gesellschaftlichen Leben richtig teil. Es ist für uns immer eine freudige Situation, wenn Patienten von solchen Erfahrungen berichten.
Ein künstlicher Schließmuskel verschließt die Harnröhre an der Stelle, wo der Operateur die Manschette platziert. Der Verschlussdruck wird in dem System speziell eingestellt, er richtet sich nach der Manschettengröße. Damit lässt sich eine sehr hohe Kontinenzrate erzielen. Jedoch gibt es keine Garantie, dass keinerlei Vorlagen nach einer Operation mehr benötigt werden. Somit berichten ca. 35% der Patienten, dass sie zumindest eine Vorlage zur Sicherheit tragen. Bei großen körperlichen Belastungen können dennoch einige wenige Urintropfen austreten, ist die Harnröhre durch die Voroperation oder durch eine Bestrahlung mehr geschädigt, dann kann auch weiterhin der Gebrauch von 1-2 Vorlagen/Tag notwendig sein. In Anbetracht der meist hohen Inkontinenzraten mit bis zu 8 nassen Vorlagen/Tag vor einer solchen Operation, ist der künstliche Schließmuskel aber oft eine erhebliche Lebensqualitätsverbesserung.

Bin ich ein Patient für ein solches System?
Ein neuer künstlicher Schließmuskel ist für Patienten gedacht, die unter einer Inkontinenz leiden. Wenn sich das Leben um die Inkontinenz und Vorlagen dreht - Wenn Sie stehts Vorlagen mitnehmen müssen - Wenn Sie Ihren Alltag und die Urlaubsplanung einschränken müssen, dann sollten Sie über eine solche Behandlung nachdenken. Die Erfahrung zeigt, dass bei einem Vorlagengebrauch von mehr als 3-5 Vorlagen ein solches System eine erhebliche Verbesserung erzielt. Für Patienten mit maximal 1-2 Vorlagen/Tag ist das System dagegen nicht geeignet.
Sie sollten mit Ihren Händen an den Hodensack greifen können und für eine Operation fit sein. Eine Blutverdünnung kann vor einer Operation individuell erfolgen.

Muss eine Batterie geladen werden?
Die künstlichen Schließmuskel haben keine Batterie und müssen somit nicht aufgeladen werden. Die Funktionsweise beruht auf einem hydraulischen Druckprinzip, die Energie wird durch ein aktives Pumpen an der Pumpe erzeugt, was sehr leicht geht.

Schränkt mich solch ein Schließmuskel im täglichen Leben ein?
Prinzipiell Nein!  Mit dem künstlichen Schließmuskel können Sie sogar Sport betreiben, baden gehen oder die Sauna besuchen. Auch ein Fahrrad darf gefahren werden. Das System ist sehr robust.
Wir empfehlen jedoch, ein übermäßiges Fahrradfahren zu vermeiden, da die künstliche Manschette sonst auf die Harnröhre drückt. Das System selbst geht dabei nicht kaputt.
Auch das Fliegen im Flugzeug stellt keine Probleme dar, für die Sicherheitskontrollen am Flughafen erhalten Sie einen Ausweis.

Was passiert mit meinem eigenen Schließmuskel?
Der eigene Schließmuskel - sofern er noch etwas arbeitet - wird nicht angetastet. Der neue Schließmuskel wird unterhalb davon implantiert.

Wie verträglich sind die Systeme?
Die künstlichen Schließmuskel bestehen aus Silikon, das Material ist zu 100% verträglich. Es sind bisher keine Unverträglichkeiten aufgetreten.

Was für ein System soll ich nehmen?
Bitte lassen Sie sich in unserer Ambulanz beraten. Wir haben Modelle der Systeme zum Anschauen und Ausprobieren in unserer Sprechstunde. Es gibt kein "bestes" System.

Welche Nachsorge ist notwendig?
Eine spezielle Nachsorge ist nicht notwendig. Die Systeme sind "wartungsfrei". Es ist jedoch zu beachten, dass alle Schließmuskelsysteme zur Schonung und Heilung der Harnröhre bis ca. 6 Wochen nach der Implantation inaktiv sind (ausgeschaltet). Nach der Heilung wird das System in unserer Klinik aktiviert, danach tritt die Kontinenz ein. Gerne würden wir Sie dann noch ein einmal einige Wochen später in unserer Ambulanz zu einer Nachkontrolle begrüßen wollen, da wir den Erfolg der Therapie kontrollieren möchten. Die weiteren Vorsorgeuntersuchungen übernimmt dann Ihr behandelnder Urologe.

Gibt es Kontraindikationen?
Für Patienten mit maximal 1-2 Vorlagen/Tag ist das System nicht geeignet. Ebenso, kann das System nicht bei Patienten mit einer Dranginkontinenz angewendet werden.
Die Bedienung der Pumpe im Hodenfach muss gewärleistet sein, d.h. Sie sollten mit den Fingern den Hodensack erreichen können.

Was passiert, wenn ich einmal operiert werde?
Bitte zeigen Sie den Implantateausweis zu jeder stationären Aufnahme dem Arzt vor. Darin stehen notwendige Notfallinformationen und auch unsere Kontaktnummer. Im Falle einer operation wird nicht selten ein Katheter gelegt. In diesem Fall kann das Schließmuskelsystem vorübergehend deaktiviert werden.

Was ist mit der Potenz?
Auf die Potenz hat das System keinen Einfluss.


Alternativ zu den Schließmuskelsystemen gibt es noch weitere Versorgungsmöglichkeiten, wie z.B. das ATOMS oder ein "Männerband".

Sollten Sie an einer Inkontinenz leiden und den Wunsch nach einer Verbesserung haben, dann stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Egal ob ein künstlicher Schließmuskel oder eine andere Therapie gewünscht wird, wir beraten Sie gerne. Bitte vereinbaren Sie dazu ein Termin in unserer Spezialsprechstunde (immer Donnerstags) in unserer Ambulanz: 0341 - 97 17 633.


Kontakt bei Rückfragen:

Dr. med. Andreas Gonsior
Facharzt für Urologie
Klinik und Poliklinik für Urologie
Universitätsklinikum Leipzig, AöR

Liebigstraße 20
D-04103 Leipzig
Fax +49-(0)341-97 17609
Mail: andreas.gonsior@medizin.uni-leipzig.de

 
Letzte Änderung: 16.02.2015, 11:44 Uhr | Redakteur: Dr. med. Andreas Gonsior
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