Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig
 Universitätsmedizin Leipzig

Blasenfunktionsstörung

Was ist eine Blasenfunktionsstörung?
Anatomisch-physiologische Grundlagen
Diagnostik der Blasenfunktionsstörungen
Therapie

Was ist eine Blasenfunktionsstörung?

Als Blasenfunktionsstörung bezeichnet man sowohl Störungen der Urinspeicherung als auch Störungen der Entleerung der Harnblase, abweichend von der Norm.

Dabei kann man grundsätzlich zwei Gruppen unterscheiden:
  • Blasenentleerungsstörungen - Die Harnblase wird nicht leer, es bleibt zuviel Restharn in der Blase, viele Patienten müssen sich deshalb katheterisieren oder tragen einen Dauerkatheter. Eine chronische Überdehnung der Harnblase kann zu bleibenden Schäden und Nierenschädigungen führen.
    Die Entleerungsstörung geht oft mit einer Restharnbildung einher. Viele Patienten merken eine Restharnbildung erst bei sehr großen Volumina.

  • Überaktive Blase - Patienten gehen zu häufig auf Toilette, regelmäßig mehr als 8 x pro Tag trotz normaler Trinkmenge. Die abgesetzten Urinportionen sind dann entsprechend klein. Häufig verspüren Patienten einen permanenten Drang, auf Toilette gehen zu müssen.
    Aus einem Harndrang kann sich eine Dranginkontinenz entwickeln, wenn der Patient nicht in der Lage ist, dem Drang bis zum Erreichen der Toilette zu widerstehen.
     
  • Gemischte Erkrankungen - Aus den beiden Formen kann sich eine gemischte Blasenentleerungsstörung entwickeln. Eine genaue Unterscheidung ist nur durch exakte körperliche Untersuchungen möglich.

Anatomisch-physiologische Grundlagen

Die Koordination der Urinspeicherung und der gezielten Entleerung der Harnblase unterliegt komplexen neurologischen Regelkreisen. Diese steuern nicht nur den Blasenschließmuskel, sondern auch den Harnblasenmuskel und die Beckenbodenmuskulatur. Die Nervenbahnen sind komplex verschaltet. Im Rückenmark, im Hirnstamm und in der Großhirnrinde sind Zentren für die Blasensteuerung lokalisiert. Hierbei spielt auch eine Reihe von chemischen Überträgerstoffen (sog. Neurotransmitter) eine Rolle. Zur Erhaltung der Kontinenz, aber auch zum ungehinderten Wasserlassen sind sowohl die korrekte Lage und Unversehrtheit der beteiligten Organe als auch eine funktionierende nervale Steuerung nötig. Daher ergeben sich aus den o.g. Fakten zahlreiche Möglichkeiten für Funktionsstörungen.

Diagnostik der Blasenfunktionsstörungen

Basisdiagnostik

  • genaue Anamnese (Erfragen der Krankenvorgeschichte)
  • körperliche Untersuchung (einschließlich gynäkologischer Untersuchung bei Frauen)
  • Miktionsprotokoll (Erfassen von täglicher Trinkmenge, Häufigkeit und Menge des Wasserlassens sowie Inkontinenzepisoden)
  • Harnanalyse (Ausschluß von Infektionserkrankungen)
  • Sonografie der Harnwege einschließlich Restharnbestimmung

Erweiterte Diagnostik
  • Urodynamische Komplexuntersuchung, ggf. mit Röntgenunterstützung
  • Uroflowmetrie (einfache Harnflußmessung)
  • Harnröhrendruckprofil (bei bestehender Harninkontinenz)

Therapie

Auf Grund der zahlreichen und verschiedenen Ursachen der Harninkontinenz gibt es auch ein breites Spektrum von therapeutischen Möglichkeiten. Entsprechung der vorliegenden Harninkontinenzursache muss eine individuelle Behandlung erfolgen.

Konservative Versorgungsmöglichkeiten
  • Aufsaugende Hilfsmittel (Vorlagen)
  • Auffangende Hilfsmittel (Kondomurinale, Urinkollektoren)
  • Ableitende Hilfsmittel (Katheter)
  • Intermittierender Selbstkatheterismus
  • Mechanische Hilfsmittel (z.B. Pessare)
  • Medikamentöse Therapie
  • Beckenbodentraining, Miktionstraining

Interventionelle und operative Maßnahmen
  • EMDA (Elektro Motive Drug Administration)
  • Sakrale Neuromodulation
  • Blasenerweiterungsplastiken
  • Komplexe Harnableitungsoperationen
 
Letzte Änderung: 05.11.2012, 11:58 Uhr
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